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Sonnwendkräuter – die Kraft der Sonne für den Winter bewahren

Altes Kräuterwissen rund um die Sommersonnenwende

Sonnwendkräuter – die Kraft der Sonne für den Winter bewahren

Hol dir die Kraft der Sonne ins Haus

Wenn die Sonne ihren höchsten Stand erreicht und die Natur in ihrer ganzen Fülle erstrahlt, beginnt eine der kraftvollsten Zeiten im Kräuterjahr.

Rund um die Sommersonnenwende werden seit Jahrhunderten Heilpflanzen gesammelt, die als besonders wirkungsvoll gelten. Doch was steckt hinter diesem alten Brauchtum? Welche Sonnwendkräuter gehören dazu – und wie kannst du ihre (Sonnen)Kraft für deine Hausapotheke bewahren?

Sommersonnenwende – wenn die Natur ihren Höhepunkt erreicht

Die Sommersonnenwende – auch Sonnwend oder Litha genannt – markiert den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres. Die Sonne erreicht ihren höchsten Stand, die Natur zeigt sich in ihrer größten Fülle und viele Pflanzen stehen in voller Blüte.

Überall leuchten nun die Farben des Sommers: Rosen öffnen ihre Blüten, Kirschen und Beeren reifen heran, Wiesen summen vor Leben. Es ist die Zeit des Überflusses.

Doch genau darin liegt auch das Geheimnis dieser Tage.

Mit dem höchsten Stand der Sonne beginnt gleichzeitig ihr langsamer Rückzug. Von nun an werden die Tage wieder kürzer. Unsere Vorfahren wussten um diesen Wendepunkt und feierten ihn mit Dankbarkeit

Sie sammelten Kräuter, entzündeten Sonnwendfeuer und bereiteten sich bewusst auf die zweite Hälfte des Jahres vor.

Man sagte, dass die Pflanzen nun die ganze Kraft der Sonne in sich tragen. Ob man diesen Gedanken nun symbolisch oder naturheilkundlich betrachtet, ist jedem selbst überlassen.

Fest steht jedoch, dass rund um die Sonnenwende viele Heilpflanzen ihren absoluten Höhepunkt erreichen und genau dann besonders hohe Konzentrationen an wertvollen sekundären Pflanzenstoffen wie Bitterstoffen, Gerbstoffen und ätherischen Ölen enthalten.

So verbindet die Sonnwende seit jeher Naturbeobachtung, Pflanzenwissen und altes Brauchtum.


Was sind Sonnwendkräuter?

Als Sonnwendkräuter bezeichnet man jene Heilpflanzen, die traditionell rund um die Sommersonnenwende oder den Johannistag (24. Juni) gesammelt wurden.

Sie gelten als schützend, stärkend, reinigend und wärmend. Sie können für Tees, Räucherungen, Ölauszüge & Salben, Tinkturen oder zB. auch Kräuterbuschen verwendet werden. 

Bekannte Sonnwendkräuter sind etwa:

Jede dieser Pflanzen besitzt ihre ganz eigene Geschichte – und ihre ganz eigene Heilkraft. Zwei davon wollen wir dir heute vorstellen.

 


Johanniskraut – das Sonnenkraut schlechthin

Kaum eine Pflanze ist enger mit der Sommersonnenwende verbunden als das Johanniskraut. Seine leuchtend gelben Blüten öffnen sich meist rund um den Johannistag (24. Juni). Zerreibt man sie zwischen den Fingern, färbt sich die Haut tiefrot. Verantwortlich dafür ist der Pflanzenfarbstoff Hypericin – jener Stoff, der später auch dem berühmten Johanniskrautöl seine rubinrote Farbe verleiht.

In der Volksheilkunde galt es als Licht- und Schutzkraut und wurde in Türrahmen oder über Stallungen aufgehängt. Heute kennt man es vor allem als wertvolle Heilpflanze für Haut, Muskeln und Nerven.

 

Traditionelle Verwendung:

Äußerlich wird Johanniskrautöl traditionell verwendet zur Pflege von:

  • beanspruchter Haut, Narben, trockener oder rissiger Haut
  • leichten Verbrennungen & Sonnenbrand
  • Muskelverspannungen, Prellungen
  • Neuralgien
  • schmerzlindernd, entzündungshemmend

DIY: Johanniskrautöl (=Mazerat) selber machen

Zutaten:

So geht's:

  1. Die Blüten an einem sonnigen, trockenen Vormittag sammeln. Am besten hat es mehrere Tage vorher nicht geregnet.
  2. Schneide das obere Drittel der Triebe ab und streife Blüten, Blätter und Knospen ab.
  3. Nun im  Mörser leicht anquetschen und locker in ein Schraubglas füllen.
  4. Oliven- oder Mandelöl darüber gießen, so dass alle Pflanzenteile gut bedeckt sind. Das Pflanzenöl darf mindestens fingerdick über dem Pflanzenmaterial stehen.
  5. Glas mit Deckel verschließen. Stelle das Schraubglas für ca. 4 Wochen an einen hellen, warmen Platz. **
  6. Schraubglas täglich schwenken, damit sich die Inhaltsstoffe gut herauslösen.
  7. Kontrolliere die Unterseite des Deckels täglich auf Feuchtigkeit und wische ihn ggf. trocken. 
  8. Nach ca. 4 Wochen sauber abseihen und in dunkle Flaschen füllen.
  9. Beschriften nicht vergessen.

In der Sonne oder im Schatten mazerieren?

** Selbst in Fachbüchern gehen die Meinungen zur Johanniskrautöl-Herstellung stark auseinander. Die einen behaupten, es muss in die Sonne. Die anderen sind er fixen Meinung, es sollte eher dunkel stehen. 

Traditionell wurde Johanniskrautöl über mehrere Wochen in der Sonne ausgezogen. Man ging davon aus, dass die Kraft der Sonne den Auszug unterstützt und die Heilwirkung der Pflanze verstärkt – ein Gedanke, der gut zur Symbolik des Johanniskrauts als „Sonnenpflanze“ passt.

Heute weiß man jedoch, dass für einen gelungenen Ölauszug vor allem Zeit, Wärme und ein hochwertiges Pflanzenöl entscheidend sind. Die charakteristische rote Farbe entsteht nicht erst durch die Sonne, sondern durch natürliche Pflanzenfarbstoffe (Hypericine), die beim Einlegen der Blüten ins Öl übergehen.

Da einige Inhaltsstoffe sogar lichtempfindlich sind, kann ein schonender Auszug ohne intensive, direkte Sonneneinstrahlung die bessere Wahl sein. Auch Pflanzenöle oxidieren unter starker UV-Einstrahlung schneller. Ein heller, warmer Platz reicht daher in der Regel völlig aus. So lassen sich traditionelles Wissen und moderne Erkenntnisse gut miteinander verbinden.


Macht Johanniskrautöl die Haut lichtempfindlich?

Die bekannte Warnung betrifft vor allem hoch dosierte Johanniskrautpräparate zum Einnehmen.

Bei äußerlich angewendetem Johanniskrautöl ist eine ausgeprägte Lichtempfindlichkeit wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Da das Öl jedoch geringe Mengen an Hypericinen enthält, empfiehlt es sich vorsichtshalber, behandelte Hautstellen nicht direkt danach intensiver Sonneneinstrahlung auszusetzen. Im normalen Alltag ist die Anwendung in der Regel unproblematisch – für längere Aufenthalte in der prallen Sonne trägt man das Rotöl am besten erst anschließend oder am Abend auf.

 


Königskerze - die leuchtende Fackel des Sommers

Majestätisch ragt sie über Wiesen, Wegränder und Böschungen hinaus: Die Königskerze gehört zu den beeindruckendsten Wildpflanzen unserer Heimat. Mit ihren hohen, kerzengeraden Blütenständen und den leuchtend gelben Blüten galt sie seit jeher als Symbol für Licht, Wärme und Schutz.

Besonders rund um die Sommersonnenwende fällt die Königskerze ins Auge. Ihre aufrechte Gestalt erinnert an eine brennende Fackel, weshalb sie früher auch als „Himmelskerze“ bezeichnet wurde. Tatsächlich wurden die getrockneten Blütenstände einst in Harz oder Talg getränkt und als Fackeln verwendet.

In der traditionellen europäischen Kräuterkunde werden vor allem die Blüten der Großblütigen Königskerze (Verbascum densiflorum) geschätzt. Gemeinsam mit verwandten Arten wie zB. der kleinblütigen Königskerze zählen sie zu den klassischen Heilpflanzen für die Atemwege.

Die Blüten enthalten Schleimstoffe, Saponine und Flavonoide. Deshalb werden sie traditionell bei trockenem Reizhusten, Heiserkeit und gereizten Schleimhäuten eingesetzt. Ihre Schleimstoffe wirken beruhigend und reizlindernd, während die Saponine das Abhusten unterstützen können.

Du kannst aus den Blüten Tee herstellen, aber auch ein wohltuender Kräuterhonig ist ausgezeichnet geeignet. Der Honig konserviert die wertvollen Pflanzenstoffe und wird so zu einem bewährten Begleiter in der kalten Jahreszeit.

DIY: Königskerzen-Hustenhonig

Zutaten:

  • 2 Hände voll frische Königskerzenblüten
  • 250 g hochwertiger Bio-Honig
  • 1 sauberes Schraubglas

Zubereitung:

  1. Sammle die frisch geöffneten Blüten an einem trockenen, sonnigen Tag.
  2. Lasse sie einige Stunden auf einem Tuch liegen, damit eventuell vorhandene Insekten entweichen können.
  3. Gib die Blüten locker in ein sauberes Glas.
  4. Übergieße sie vollständig mit Honig.
  5. Verrühre alles vorsichtig, sodass keine Luftblasen eingeschlossen werden.
  6. Das Glas verschließen und etwa drei bis vier Wochen ziehen lassen.
  7. Täglich einmal umrühren oder leicht wenden.
  8. Anschließend die Blüten abseihen oder – je nach Vorliebe – im Honig belassen.

Anwendung:

Bei gereiztem Hals oder Husten nimmst du 2-3 x täglich einen Teelöffel des Kräuterhonigs und lässt ihn langsam im Mund zergehen.

Der Honig kann auch in lauwarmen Kräutertee eingerührt werden. Dabei sollte der Tee nicht mehr heiß sein, damit die wertvollen Inhaltsstoffe des Honigs erhalten bleiben.

--> Variante mit mehreren Hustenkräutern:

Besonders beliebt ist eine Mischung aus:

  • Königskerzenblüten
  • Thymian
  • Spitzwegerich
  • etwas Salbei

Diese Kräuter ergänzen sich geschmacklich hervorragend und ergeben einen aromatischen Kräuterhonig für die Hausapotheke.


Königskerzenöl 

Neben ihrer Verwendung als Hustenkraut besitzt die Königskerze noch eine weitere, heute fast vergessene Tradition: Aus ihren goldgelben Blüten wurde in der traditionellen Volksheilkunde ein mildes Ohrenöl hergestellt.

Bereits in alten Kräuterbüchern findet sich die Empfehlung, Königskerzenblüten in Öl auszuziehen und den Ölauszug zur Pflege des äußeren Ohres und unterstützend bei Ohrenschmerzen zu verwenden. Vor allem in ländlichen Regionen gehörte Königskerzenöl lange Zeit zur Hausapotheke vieler Familien.

Die Blüten enthalten unter anderem Schleimstoffe, Saponine und Flavonoide. In der Volksheilkunde schätzte man das Öl wegen seiner sanften und beruhigenden Eigenschaften.

Wichtig: Ohrenschmerzen können viele Ursachen haben. Bei starken Schmerzen, Fieber, Verdacht auf eine Mittelohrentzündung, Verletzungen des Trommelfells oder anhaltenden Beschwerden sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden. Königskerzenöl ersetzt keine medizinische Behandlung.


DIY-Königskerzen-Ohrenöl

Zutaten:

  • 1 Handvoll frisch geöffnete Königskerzenblüten
  • etwa 100 ml hochwertiges Bio-Olivenöl oder Mandelöl
  • 1 kleines Schraubglas
  • dunkle Glasflasche zur Aufbewahrung

So geht's:

  1. Sammle die Blüten an einem trockenen, sonnigen Tag. Verwende nur vollständig geöffnete, saubere Blüten.
  2. Breite die Blüten einige Stunden auf einem Tuch aus, damit eventuell vorhandene Feuchtigkeit oder kleine Insekten entweichen können.
  3. Gib die Blüten locker in ein sauberes Schraubglas.
  4. Übergieße sie vollständig mit dem Öl, so dass keine Blüten mehr aus dem Öl herausragen.
  5. Verschließe das Glas und lasse den Ansatz etwa drei bis vier Wochen an einem hellen, warmen (nicht in die Sonne stellen) Ort ziehen.
  6. Entferne mögliche Restfeuchtigkeit auf der Unterseite des Deckels täglich.
  7. Schüttle das Glas täglich vorsichtig, um die Inhaltsstoffe der Blüten gut herauszulösen.
  8. Anschließend das Öl durch einen feinen Filter oder ein Tuch sorgfältig abseihen.
  9. In eine dunkle Glasflasche füllen und kühl lagern.
  10. Beschriften nicht vergessen. So hergestellt hält sich das Öl in der Regel mehrere Monate.

DIY: Traditionelle Rezeptur mit Knoblauch


Die Kombination aus Königskerzenblüten und Knoblauch ist in der traditionellen Volksheilkunde sehr verbreitet. Während die Königskerze als wertvolle Heilpflanze für gereiztes Gewebe zur Anwendung kommt, wird Knoblauch aufgrund seiner antimikrobiellen und schmerzlindernden Eigenschaften hinzugefügt.

Zutaten:

  • 1 Handvoll Königskerzenblüten
  • 100 ml Olivenöl
  • 1 kleine, leicht angedrückte Knoblauchzehe

Die Zubereitung erfolgt wie beim klassischen Ölauszug. Der Knoblauch wird gemeinsam mit den Blüten angesetzt und nach der Ziehzeit wieder entfernt.
Diese Kombination gehört zu den bekanntesten traditionellen Ohrölen der europäischen Volksheilkunde.

Anwendung in der Volksheilkunde:

  • Traditionell wird das Öl vor der Anwendung leicht angewärmt (körperwarm, niemals heiß). Ist aber nicht zwingend notwendig.
  • Anschließend trägt man 1–2 Tropfen sanft am äußeren Gehörgang auf. (Nicht in das Ohr hineinträufeln!)
  • Das Öl kann auch auf einen Wattebausch gegeben werden. Anschließend locker am Gehörgang anbringen. Diese Anwendung ist besonders schonend.
  • Ergänzend kann das Ohrenöl noch mit Lavendel fein vermengt werden. Auf 10 ml Ohrenöl gibt man 6-8 Tropfen ätherisches Lavendelöl (Lavandula angustifolia). Es wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend.

Nutze die Kraft des Sommers

Jetzt ist die ideale Zeit, um hinauszugehen, Heilpflanzen kennenzulernen und die Fülle der Natur bewusst wahrzunehmen.

Viele Kräuter stehen in voller Blüte und können zu wertvollen Begleitern für die natürliche Hausapotheke verarbeitet werden. Ob als Tee, Kräuterhonig, Ölauszug, Salbe oder Räucherbündel – jede Zubereitung bewahrt ein Stück Sommer für die kommenden Monate.

Nutze diese Zeit, um altes Kräuterwissen in deinen Alltag zu holen, deine Vorräte aufzufüllen und die Schätze der Natur achtsam zu sammeln. So kannst du dir die Wärme, den Duft und die Lebenskraft des Sommers noch lange bewahren.

Viel Spaß beim Ausprobieren & Sonne tanken!
Dein Team von Kräuter & Geist



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